⚰️ Was passiert mit einem Rufzeichen nach dem Tod?
Ein deutsches Rufzeichen ist an die Zulassung gebunden. Stirbt der Inhaber oder gibt er die Zulassung zurück, erlischt die Zuteilung — das Rufzeichen wird aber nicht sofort neu vergeben. In der Praxis der Bundesnetzagentur gilt eine Sperrfrist von in der Regel zwei Jahren, bevor ein frei gewordenes Rufzeichen wieder in den Topf kommt. Wer sein Rufzeichen selbst zurückgibt, kann es auf Antrag innerhalb dieser Frist zurückerhalten (§ 11 AFuV).
Und die Familie? Angehörige eines verstorbenen Funkamateurs — Ehepartner, Kinder — können bei der BNetzA beantragen, das Rufzeichen zu übernehmen, sofern sie selbst eine passende Zulassung besitzen. So bleibt ein Rufzeichen manchmal über Generationen in einer Familie. Einen Anspruch auf ein bestimmtes Rufzeichen gibt es allerdings nie: „Es besteht kein Anspruch auf Zuteilung eines bestimmten Rufzeichens“ (§ 11 Abs. 1 AFuV).
Was die Liste dazu verrät: Jede Ausgabe der Rufzeichenliste ist ein Schnappschuss. Ab dem nächsten Listenstand zeigen wir hier die Zu- und Abgänge — welche Rufzeichen neu vergeben wurden und welche verschwunden sind.
🚫 Verbotene Suffixe — und trotzdem in der Liste
Der Rufzeichenplan der Bundesnetzagentur (Vfg. 15/2025, Nr. 7) schließt bestimmte Suffixe aus: die internationalen Notzeichen SOS, XXX, TTT, YYY, DDD, JJJ, MAYDAY, PAN, alle Q-Gruppen von QOA bis QUZ, verfassungswidrige Kennungen und Irreführendes.
Q-Gruppen: Kein einziges Rufzeichen mit einem Suffix zwischen QOA und QUZ — die Regel wird also eingehalten (QRP, QRZ, QSL als Suffix gibt es nicht). Bei den Notzeichen sieht es anders aus: 7 Rufzeichen tragen ein Suffix aus der Verbotsliste — sechsmal PAN und einmal DDD. Vermutlich Altzuteilungen oder Auslegungssache — kurios ist es allemal.
🕰️ Zeitreise: Woher die Präfixe kommen
- 1913Deutschland erhält die Buchstaben A, D und KAA–KCZ; die Ziffer 4 wird Landeskenner für Amateure.
- 1925–1927Erste K-Rufzeichen (KB1), dann K4 + zwei Buchstaben, ab 1927 „EK 4 ABI“ — Europa-Kennung plus drei Buchstaben.
- 1929Der D-Präfix wird amtlich: D4ABI. Der letzte Suffix-Buchstabe verrät den Standort.
- 1946–1948Besatzungszonen funken unter D2 (britisch), D4 (amerikanisch), D5 (französisch).
- 1949Die ITU teilt DA–DL der Bundesrepublik zu, DM–DT der DDR. DL1/DL3 für Bürger, DL2 für Briten, DL4 für Amerikaner, DL5 für Franzosen, DL7 für West-Berlin, DL0 für Klubstationen.
- 1950er–1980erDie Blöcke laufen voll: DJ, DK, dann DC, DD, DF, DB, DG, DH kommen hinzu — teils an Klassen gebunden.
- bis 1980DDR-Rufzeichen beginnen mit DM (DM2 für Personen, DM3–5 Klubs). 1980 wechselt die DDR demonstrativ zu Y2–Y9.
- 1990Wiedervereinigung: Deutschland besitzt DA–DR und Y2–Y9. DM wird als Klasse-A-Präfix wiederbelebt, die Y-Blöcke bleiben fast leer (Ausnahme: WRTC 2018 mit Y8).
- 1998/2003Einsteigerklasse mit Präfix DO; Ausbildungsrufzeichen DN.
- 2024Neue Klasse N mit DN9; Rufzeichenplan Vfg. 53/2024 und 61/2024. DN1–DN8-Ausbildungsrufzeichen laufen bis Ende 2028 aus. Sonderrufzeichen dürfen 4–7 Stellen Suffix haben, max. ein Jahr.
- 2025Vfg. 15/2025 konsolidiert den Rufzeichenplan: DR1–DR6 für BOS-berechtigte Klubstationen und Notfunkgruppen.
Das Erbe von 1949 ist noch messbar
DL7 war das West-Berliner Rufzeichen. Über 75 Jahre später sitzen von 1.213 DL7-Stationen mit Adresse noch immer 507 in Berlin — 41,8 %, obwohl Berlin nur 2,9 % aller Funkamateure mit Adresse stellt. Die Besatzungsblöcke DL2, DL4 und DL5 dagegen sind heute völlig unauffällig verteilt.
DL7 · nach Bundesland
DM (ex-DDR) · nach Bundesland
Das DDR-Erbe ist verweht: DM ist heute ein ganz normaler Klasse-A-Präfix, Bayern liegt vor Sachsen.
📍 Wo funkt Deutschland? Rufzeichen je 100.000 Einwohner
Absolut führt NRW — pro Kopf sieht die Karte ganz anders aus: Niedersachsen hat mit 87,5 Rufzeichen je 100.000 Einwohner die höchste Funkerdichte, Sachsen-Anhalt mit 43,1 die niedrigste. Die Stadtstaaten und der Osten liegen hinten, der Norden und Süden vorn.
Basis: Einträge mit PLZ; Bevölkerung Destatis, Bevölkerung 31.12.2023.
🔒 Je jünger der Präfix, desto verschlossener
Der Anteil der Rufzeichen ohne veröffentlichte Adresse hängt verblüffend stark vom Präfix ab. Alte Präfixe wie DG, DF oder DB liegen bei 5–9 % — die neueren DO, DN und DM bei über 25 %. Wer in den letzten Jahren lizenziert wurde, widerspricht der Veröffentlichung deutlich häufiger. Datenschutz ist eine Generationenfrage.
👋 Vornamen im Suffix
Ein Rufzeichen mit dem eigenen Vornamen — der Traum vieler. MAX, KAI, UWE führen die Liste an. Insgesamt 62 verschiedene Vornamen stecken in deutschen Suffixen. Klick auf ein Rufzeichen öffnet QRZ.com.
MAX 44
KAI 40
UWE 39
TOM 39
DAN 38
SAM 35
JAN 34
LEO 29
TIM 27
ULI 25
BEN 24
MEL 20
PAT 19
ALF 18
KAY 17
UDO 16
JOE 14
🦊 Tiere, Autos, Alltag — Wörter im Suffix
VW schlägt BMW, der Fuchs (FOX) die Katze (CAT), und es gibt Rufzeichen mit RAT, YAK, UHU, KUH, OMA und OPA. Auch LOL, YES, GPS und CPU sind vergeben.
VW 47
FOX 30
CAT 25
FAN 23
SKY 21
RAT 17
DAB 17
NET 16
YAK 16
BMW 16
BAR 15
ART 15
WAL 15
RAD 15
BAD 14
🎓 Herr Doktor, bitte kommen
2.111 Rufzeicheninhaber führen einen Doktortitel — 3,0 % aller Einträge (nur gezählt, keine Namen). In Klasse A sind es 3,3 %, in Klasse E 1,5 %. Die höchste Doktorendichte haben die Stadtstaaten: Hamburg mit 3,96 %.
🏡 Zwei Standorte, ein Rufzeichen
3.009 Einträge nennen einen vom Wohnsitz abweichenden Betriebsort — das Wochenendhaus, die Ferienwohnung, der Bauernhof der Eltern. Bei 543 davon liegt der zweite Standort sogar in einem anderen Bundesland.
🌱 Nachwuchs & Platz im Alphabet
Die 2024 eingeführte Klasse N zählt bereits 1.148 Rufzeichen — praktisch alle im Block DN9.
Und wie voll ist das Alphabet insgesamt, über alle Klassen? Je Präfix und Ziffer gibt es 676 Zwei-Buchstaben- und 17.576 Drei-Buchstaben-Suffixe. Selbst der vollste Drei-Buchstaben-Block, DL1 (Klasse A), ist erst zu 16,3 % belegt. Platz gibt es also reichlich — nur die kurzen Rufzeichen sind knapp.
Vollste Drei-Buchstaben-Blöcke, alle Klassen (von 17.576)
Fast leere Zwei-Buchstaben-Blöcke
Doppelbuchstaben-Suffixe (AA, BB … ZZ): 1.621. Häufigster Anfangsbuchstabe eines Suffixes: M.
Quellen
- BNetzA: Rufzeichenplan für den Amateurfunkdienst (Auszug aus Vfg. 15/2025)
- BNetzA: Amateurfunk — Rufzeichenliste, Verfügungen
- Wikipedia: Geschichte der Amateurfunkrufzeichen in Deutschland
- Wikipedia: Amateurfunkrufzeichen (Präfixe nach Klasse)
- Amateurfunkverordnung (AFuV) — § 11 Rufzeichenzuteilung, § 15 Rufzeichenliste
- Destatis: Bevölkerung nach Bundesländern (31.12.2023)
Rufzeichen-Daten: öffentliche BNetzA-Liste, Stand 14. September 2026. Angaben zu Sperrfristen und Angehörigen-Übernahme geben die Verwaltungspraxis wieder — im Einzelfall entscheidet die Bundesnetzagentur. Es werden nur Rufzeichen gezeigt, keine Namen, keine Adressen.