Auswertung Rufzeichen in Deutschland · Stand 14. September 2026

Kuriositäten II — Wissen & Legenden

Was passiert mit einem Rufzeichen nach dem Tod? Warum ist DL7 bis heute Berlin? Welche Suffixe sind verboten — und trotzdem vergeben? Präfix-Zeitreise, Funkerdichte, Vornamen im Suffix und mehr.

69.959 Rufzeichen in der Auswertung

Quelle: öffentliche Rufzeichenliste der Bundesnetzagentur. Rohdatei wird hier weder verlinkt noch zum Download angeboten — nur Aggregate ohne Straßen.

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⚰️ Was passiert mit einem Rufzeichen nach dem Tod?

Ein deutsches Rufzeichen ist an die Zulassung gebunden. Stirbt der Inhaber oder gibt er die Zulassung zurück, erlischt die Zuteilung — das Rufzeichen wird aber nicht sofort neu vergeben. In der Praxis der Bundesnetzagentur gilt eine Sperrfrist von in der Regel zwei Jahren, bevor ein frei gewordenes Rufzeichen wieder in den Topf kommt. Wer sein Rufzeichen selbst zurückgibt, kann es auf Antrag innerhalb dieser Frist zurückerhalten (§ 11 AFuV).

Und die Familie? Angehörige eines verstorbenen Funkamateurs — Ehepartner, Kinder — können bei der BNetzA beantragen, das Rufzeichen zu übernehmen, sofern sie selbst eine passende Zulassung besitzen. So bleibt ein Rufzeichen manchmal über Generationen in einer Familie. Einen Anspruch auf ein bestimmtes Rufzeichen gibt es allerdings nie: „Es besteht kein Anspruch auf Zuteilung eines bestimmten Rufzeichens“ (§ 11 Abs. 1 AFuV).

Was die Liste dazu verrät: Jede Ausgabe der Rufzeichenliste ist ein Schnappschuss. Ab dem nächsten Listenstand zeigen wir hier die Zu- und Abgänge — welche Rufzeichen neu vergeben wurden und welche verschwunden sind.

🚫 Verbotene Suffixe — und trotzdem in der Liste

Der Rufzeichenplan der Bundesnetzagentur (Vfg. 15/2025, Nr. 7) schließt bestimmte Suffixe aus: die internationalen Notzeichen SOS, XXX, TTT, YYY, DDD, JJJ, MAYDAY, PAN, alle Q-Gruppen von QOA bis QUZ, verfassungswidrige Kennungen und Irreführendes.

Q-Gruppen: Kein einziges Rufzeichen mit einem Suffix zwischen QOA und QUZ — die Regel wird also eingehalten (QRP, QRZ, QSL als Suffix gibt es nicht). Bei den Notzeichen sieht es anders aus: 7 Rufzeichen tragen ein Suffix aus der Verbotsliste — sechsmal PAN und einmal DDD. Vermutlich Altzuteilungen oder Auslegungssache — kurios ist es allemal.

🕰️ Zeitreise: Woher die Präfixe kommen

  1. 1913Deutschland erhält die Buchstaben A, D und KAA–KCZ; die Ziffer 4 wird Landeskenner für Amateure.
  2. 1925–1927Erste K-Rufzeichen (KB1), dann K4 + zwei Buchstaben, ab 1927 „EK 4 ABI“ — Europa-Kennung plus drei Buchstaben.
  3. 1929Der D-Präfix wird amtlich: D4ABI. Der letzte Suffix-Buchstabe verrät den Standort.
  4. 1946–1948Besatzungszonen funken unter D2 (britisch), D4 (amerikanisch), D5 (französisch).
  5. 1949Die ITU teilt DA–DL der Bundesrepublik zu, DM–DT der DDR. DL1/DL3 für Bürger, DL2 für Briten, DL4 für Amerikaner, DL5 für Franzosen, DL7 für West-Berlin, DL0 für Klubstationen.
  6. 1950er–1980erDie Blöcke laufen voll: DJ, DK, dann DC, DD, DF, DB, DG, DH kommen hinzu — teils an Klassen gebunden.
  7. bis 1980DDR-Rufzeichen beginnen mit DM (DM2 für Personen, DM3–5 Klubs). 1980 wechselt die DDR demonstrativ zu Y2–Y9.
  8. 1990Wiedervereinigung: Deutschland besitzt DA–DR und Y2–Y9. DM wird als Klasse-A-Präfix wiederbelebt, die Y-Blöcke bleiben fast leer (Ausnahme: WRTC 2018 mit Y8).
  9. 1998/2003Einsteigerklasse mit Präfix DO; Ausbildungsrufzeichen DN.
  10. 2024Neue Klasse N mit DN9; Rufzeichenplan Vfg. 53/2024 und 61/2024. DN1–DN8-Ausbildungsrufzeichen laufen bis Ende 2028 aus. Sonderrufzeichen dürfen 4–7 Stellen Suffix haben, max. ein Jahr.
  11. 2025Vfg. 15/2025 konsolidiert den Rufzeichenplan: DR1–DR6 für BOS-berechtigte Klubstationen und Notfunkgruppen.

Das Erbe von 1949 ist noch messbar

DL7 war das West-Berliner Rufzeichen. Über 75 Jahre später sitzen von 1.213 DL7-Stationen mit Adresse noch immer 507 in Berlin — 41,8 %, obwohl Berlin nur 2,9 % aller Funkamateure mit Adresse stellt. Die Besatzungsblöcke DL2, DL4 und DL5 dagegen sind heute völlig unauffällig verteilt.

DL7 · nach Bundesland

Berlin
507 · 41,8 %
Brandenburg
144 · 11,9 %
Bayern
112 · 9,2 %
Nordrhein-Westfalen
110 · 9,1 %
Baden-Württemberg
89 · 7,3 %
Niedersachsen
68 · 5,6 %
Hessen
59 · 4,9 %
Rheinland-Pfalz
23 · 1,9 %
Schleswig-Holstein
22 · 1,8 %
Sachsen
22 · 1,8 %
Mecklenburg-Vorpommern
18 · 1,5 %
Sachsen-Anhalt
11 · 0,9 %
Thüringen
10 · 0,8 %
Hamburg
8 · 0,7 %
Saarland
5 · 0,4 %
Bremen
3 · 0,2 %

DM (ex-DDR) · nach Bundesland

Bayern
160 · 14,7 %
Sachsen
145 · 13,3 %
Nordrhein-Westfalen
119 · 10,9 %
Baden-Württemberg
99 · 9,1 %
Thüringen
85 · 7,8 %
Brandenburg
81 · 7,4 %
Niedersachsen
80 · 7,3 %
Hessen
65 · 6,0 %
Berlin
58 · 5,3 %
Mecklenburg-Vorpommern
51 · 4,7 %
Sachsen-Anhalt
47 · 4,3 %
Rheinland-Pfalz
45 · 4,1 %
Schleswig-Holstein
25 · 2,3 %
Saarland
11 · 1,0 %
Hamburg
10 · 0,9 %
Bremen
5 · 0,5 %

Das DDR-Erbe ist verweht: DM ist heute ein ganz normaler Klasse-A-Präfix, Bayern liegt vor Sachsen.

📍 Wo funkt Deutschland? Rufzeichen je 100.000 Einwohner

Absolut führt NRW — pro Kopf sieht die Karte ganz anders aus: Niedersachsen hat mit 87,5 Rufzeichen je 100.000 Einwohner die höchste Funkerdichte, Sachsen-Anhalt mit 43,1 die niedrigste. Die Stadtstaaten und der Osten liegen hinten, der Norden und Süden vorn.

Niedersachsen
88
Bayern
87
Schleswig-Holstein
87
Saarland
77
Baden-Württemberg
77
Hessen
75
Rheinland-Pfalz
68
Nordrhein-Westfalen
68
Bremen
63
Thüringen
58
Brandenburg
56
Sachsen
51
Mecklenburg-Vorpommern
50
Berlin
46
Hamburg
45
Sachsen-Anhalt
43

Basis: Einträge mit PLZ; Bevölkerung Destatis, Bevölkerung 31.12.2023.

🔒 Je jünger der Präfix, desto verschlossener

Der Anteil der Rufzeichen ohne veröffentlichte Adresse hängt verblüffend stark vom Präfix ab. Alte Präfixe wie DG, DF oder DB liegen bei 5–9 % — die neueren DO, DN und DM bei über 25 %. Wer in den letzten Jahren lizenziert wurde, widerspricht der Veröffentlichung deutlich häufiger. Datenschutz ist eine Generationenfrage.

DG
5,2 % · 9.854
DF
7,3 % · 4.247
DB
8,6 % · 4.490
DD
9,2 % · 3.014
DH
9,2 % · 2.975
DC
10,3 % · 3.194
DL
11,1 % · 17.485
DJ
11,5 % · 2.696
DK
12,2 % · 4.645
DM
25,7 % · 1.465
DO
25,7 % · 8.988
DN
27,4 % · 5.892

👋 Vornamen im Suffix

Ein Rufzeichen mit dem eigenen Vornamen — der Traum vieler. MAX, KAI, UWE führen die Liste an. Insgesamt 62 verschiedene Vornamen stecken in deutschen Suffixen. Klick auf ein Rufzeichen öffnet QRZ.com.

MAX
44
KAI
40
UWE
39
TOM
39
DAN
38
SAM
35
JAN
34
LEO
29
TIM
27
ULI
25
BEN
24
MEL
20
PAT
19
ALF
18
KAY
17
MAX 44
KAI 40
UWE 39
TOM 39
DAN 38
SAM 35
JAN 34
LEO 29
TIM 27
ULI 25
BEN 24
MEL 20
PAT 19
ALF 18
KAY 17
UDO 16
JOE 14
MAY 13
MIA 12
RAY 12
PIT 10
RON 10
ULF 10
PIA 9
BOB 9

🦊 Tiere, Autos, Alltag — Wörter im Suffix

VW schlägt BMW, der Fuchs (FOX) die Katze (CAT), und es gibt Rufzeichen mit RAT, YAK, UHU, KUH, OMA und OPA. Auch LOL, YES, GPS und CPU sind vergeben.

VW 47
FOX 30
CAT 25
FAN 23
SKY 21
RAT 17
DAB 17
NET 16
YAK 16
BMW 16
BAR 15
ART 15
WAL 15
RAD 15
BAD 14
ABI 13
NEU 12
MAI 12
GAS 12
LOL 12
BIT 11
YES 10
BEE 10
HAI 9
SEE 9
SUN 8
EIS 7
UHU 7
TOR 7
GPS 7

🎓 Herr Doktor, bitte kommen

2.111 Rufzeicheninhaber führen einen Doktortitel — 3,0 % aller Einträge (nur gezählt, keine Namen). In Klasse A sind es 3,3 %, in Klasse E 1,5 %. Die höchste Doktorendichte haben die Stadtstaaten: Hamburg mit 3,96 %.

Hamburg
3,96 %
Bremen
3,92 %
Mecklenburg-Vorpommern
3,54 %
Baden-Württemberg
3,49 %
Hessen
3,22 %
Nordrhein-Westfalen
3,06 %
Thüringen
3,03 %
Berlin
3,00 %
Bayern
2,98 %
Rheinland-Pfalz
2,68 %
Schleswig-Holstein
2,60 %
Saarland
2,60 %
Sachsen
2,59 %
Niedersachsen
2,46 %
Brandenburg
2,43 %
Sachsen-Anhalt
2,34 %

🏡 Zwei Standorte, ein Rufzeichen

3.009 Einträge nennen einen vom Wohnsitz abweichenden Betriebsort — das Wochenendhaus, die Ferienwohnung, der Bauernhof der Eltern. Bei 543 davon liegt der zweite Standort sogar in einem anderen Bundesland.

🌱 Nachwuchs & Platz im Alphabet

Die 2024 eingeführte Klasse N zählt bereits 1.148 Rufzeichen — praktisch alle im Block DN9.

Und wie voll ist das Alphabet insgesamt, über alle Klassen? Je Präfix und Ziffer gibt es 676 Zwei-Buchstaben- und 17.576 Drei-Buchstaben-Suffixe. Selbst der vollste Drei-Buchstaben-Block, DL1 (Klasse A), ist erst zu 16,3 % belegt. Platz gibt es also reichlich — nur die kurzen Rufzeichen sind knapp.

Vollste Drei-Buchstaben-Blöcke, alle Klassen (von 17.576)

DL1xxx · Klasse A
2.866 · 16,3 %
DO1xxx · Klasse E
1.984 · 11,3 %
DL2xxx · Klasse A
1.612 · 9,2 %
DG1xxx · Klasse A
1.414 · 8,0 %
DL3xxx · Klasse A
1.212 · 6,9 %
DL4xxx · Klasse A
1.101 · 6,3 %
DL5xxx · Klasse A
1.064 · 6,1 %
DL6xxx · Klasse A
1.030 · 5,9 %

Fast leere Zwei-Buchstaben-Blöcke

DA7xx: 1DP0xx: 1DP8xx: 1DN0xx: 3DR4xx: 3DA5xx: 5DR1xx: 6DO0xx: 25

Doppelbuchstaben-Suffixe (AA, BB … ZZ): 1.621. Häufigster Anfangsbuchstabe eines Suffixes: M.

Quellen

Rufzeichen-Daten: öffentliche BNetzA-Liste, Stand 14. September 2026. Angaben zu Sperrfristen und Angehörigen-Übernahme geben die Verwaltungspraxis wieder — im Einzelfall entscheidet die Bundesnetzagentur. Es werden nur Rufzeichen gezeigt, keine Namen, keine Adressen.