Auswertung Rufzeichen in Deutschland · Stand 14. September 2026

Vermutete Alterspyramide im Amateurfunk — die ganze Spurensuche

Vornamen nach Geburtsjahr, die Lizenzzahlen seit 1933, die Ortsverbände, und eine Alterspyramide samt Gegenprobe über die neue Lizenzklasse N — alles an einem Ort, mit offener Methodik statt schneller Behauptungen.

69.959 Rufzeichen in der Auswertung

Quelle: öffentliche Rufzeichenliste der Bundesnetzagentur. Rohdatei wird hier weder verlinkt noch zum Download angeboten — nur Aggregate ohne Straßen.

✉ Feedback, Wünsche, strukturelle Fehler gefunden? Oder eine eigene Auswertung gewünscht? Melde dich gerne: alexschweigert@gmail.com. 73, Alex — DC1AS

Anlass dieser Seite: Die Vornamen-/Generationen-Auswertung auf dieser Website wurde in Diskussionen (u. a. auf Facebook) als „mit KI erstellt“ und damit als unseriös kritisiert. Diese Seite bündelt deshalb alles zum Thema „vermutete Alterspyramide im Amateurfunk“ an einem Ort — mit offen gelegter Methodik, echten Quellen für jede Zahl, und expliziten Hinweisen, wo eine Zahl eine Modellrechnung statt einer echten Messung ist.

📊 Die Lage in vier Zahlen

Höchststand (2002)
80.874
persönliche Amateurfunkzulassungen
Stand 2025
61.105
−24.4 % gegenüber 2002
Ortsverbände
~1.000
in 24 DARC-Distrikten
geschätztes Altersmittel
~64
Vornamen-Näherung, unterschätzt Junge — siehe unten

🔺 Die Alterspyramide (Vornamen-Näherung)

Dieselben sechs Generationen-Stufen wie oben, aber nicht mehr als sechs grobe Blöcke: Jede wird als Glockenkurve um ihr geschätztes mittleres Alter verteilt, die Kurven werden addiert und anschließend so hochskaliert, dass die Summe dem tatsächlichen Gesamtbestand von rund 69.959 Funkamateuren entspricht — nicht nur der über Vornamen erfassbaren Stichprobe von rund 33.931. Ergebnis: eine Pyramide in echten 5-Jahres-Altersschritten, die nach oben hin natürlich ausdünnt, bis bei rund 100 Jahren nur noch eine Handvoll übrig bleibt. Wichtiger Vorbehalt bleibt: Grundlage sind weiterhin Vornamen-Häufigkeiten, keine echten Geburtsdaten — und moderne, diverse Vornamen lassen sich damit schlechter erfassen als die wenigen dominanten Namen früherer Jahrzehnte. Die unteren Stufen sind deshalb vermutlich breiter, als hier sichtbar (siehe Gegenprobe mit Klasse N unten).

100+ Jahre
17
95–99 J.
80
90–94 J.
361
85–89 J.
1.824
80–84 J.
4.848
75–79 J.
6.687
70–74 J.
7.270
65–69 J.
7.740
60–64 J.
9.052
55–59 J.
9.694
50–54 J.
8.580
45–49 J.
6.109
40–44 J.
3.394
35–39 J.
1.636
30–34 J.
1.018
25–29 J.
787
20–24 J.
517
15–19 J.
254
10–14 J.
92

📡 Die Gegenprobe: Klasse N gegen den Gesamtbestand

Die Pyramide oben beruht komplett auf Vornamen-Näherung. Es gibt genau eine Zahl auf dieser Seite, die das nicht tut: die Lizenzklasse. Klasse N gibt es erst seit dem 24. Juni 2024 — jeder Klasse-N-Inhaber hat sein Rufzeichen also erst in den letzten rund zwei Jahren bekommen. Das ist kein Alters-Beweis (auch ältere Neueinsteiger können Klasse N wählen), aber ein echter, amtlicher Beleg dafür, dass gerade jetzt neue Leute dazukommen — unabhängig von jeder Vornamen-Schätzung. Klasse E dagegen ist kein guter Vergleichswert: sie geht auf die 1997 eingeführte alte Klasse 3 zurück und wurde 2005 nur umbenannt — ein Klasse-E-Rufzeichen kann ebenso gut 25 Jahre alt sein wie einen Monat.

Gesamtbestand
69.959
alle Rufzeichen, Klasse A+E+N
Klasse N (seit 06/2024)
1.148
≈ 1,64 % des Gesamtbestands
Klasse E (seit 1997/2005)
10.220
kein Alterssignal, siehe Text
Klasse A
58.591
Vollzugangsklasse
Gesamtbestand
69.959
davon Klasse N
1.148

Der Klasse-N-Balken ist maßstabsgetreu zum Gesamtbestand: rund 1,64 %. Klein, aber ausschließlich neu: ein echtes Lebenszeichen, das die Vornamen-Pyramide oben nicht zeigen kann.

🕰️ Von Anfang an

Amateurfunk in Deutschland ist fast so alt wie das Rundfunkzeitalter selbst. Zwischen den frühesten Sendegenehmigungen und der heutigen, lückenlosen amtlichen Jahresstatistik liegen fast hundert Jahre — mit einer langen Lücke, für die es nur vereinzelte Stichtage und keine durchgängige Reihe gibt (siehe Chart weiter unten).

📉 Der Lizenzverlauf seit 1933

Die durchgezogene Linie (2000–2025) stammt direkt aus den jährlichen Teilnehmerzahlen-Statistiken der Bundesnetzagentur (jeweils Stand 31.12., Spalte „Anzahl der Amateurfunkzulassungen“) — keine Vornamen-Näherung, keine Interpretation. Die gestrichelte Linie davor verbindet vier tatsächlich belegte historische Stichtage (1933: 180, 1939: 600, 1949: 700, 1954: 3.389 — letzterer laut deutscher Wikipedia „Amateurfunkdienst“) mit einem einzigen, unsicheren Sekundärquellen-Wert für 1962 (rund 15.000, laut rtc-dl.de — diese eine Quelle ist unbelegt und nennt an anderer Stelle einen widersprüchlichen Wert, daher ausdrücklich mit Vorsicht zu lesen). Zwischen 1962 und 2000 existiert keine einzige belastbare Zahl — die gestrichelte Linie ist dort reine geometrische Interpolation, keine Messung.

022.50045.00067.50090.000194019601980200020201933180 LizenzenErste Sendegenehmigungen (Reichspost)1939600 LizenzenVor Kriegsbeginn1949700 LizenzenErste Nachkriegs-Genehmigungen (23.3.)19543.389 LizenzenQuelle: de.wikipedia.org1962≈ 15.000 LizenzenUnsicher — eine Sekundärquelle200079.380 LizenzenErste durchgängige BNetzA-Jahresstatistik200280.874 LizenzenHöchststand202561.105 Lizenzen−24.4 % ggü. 2002

Quellen: Bundesnetzagentur, „Amateurfunk in Deutschland – Teilnehmerzahlen“ (2000–2025); de.wikipedia.org/wiki/Amateurfunkdienst (1954); rtc-dl.de/die-geschichte-des-amateurfunks (1962, unsicher). 1933/1939/1949 wie oben in der Zeitleiste.

👤 Vornamen-Recherche nach Geburtsjahr

Für jeden der häufigsten Vornamen wurde recherchiert, in welchen Jahrzehnten er in Deutschland tatsächlich zu den beliebtesten Jungennamen zählte (Quelle: beliebte-vornamen.de, Auswertung von über einer Million Geburtsmeldungen seit 1890). Die Balken zeigen die reale Zeitspanne — bewusst überlappend, nicht exklusiv einer einzigen Generation zugeordnet. Wer zum Beispiel 1968 als „Alexander“ geboren wurde, findet sich hier wieder, auch wenn der Name seinen Beliebtheits-Höhepunkt erst in den 1990ern hatte.

1920 1940 1960 1980 2000 2020
Karl-Heinz
307
Hans
657
Gerhard
640
Werner
598
Helmut
546
Günter
431
Rolf
406
Bernhard
403
Heinz
377
Walter
337
Karl
324
Herbert
309
Franz
305
Georg
291
Josef
279
Rudolf
263
Heinrich
203
Johann
201
Hermann
198
Wilhelm
198
Friedrich
187
Richard
172
Kurt
170
Günther
149
Alfred
147
Harald
453
Horst
419
Siegfried
255
Armin
164
Peter
1.559
Wolfgang
1.388
Klaus
1.093
Jürgen
1.062
Manfred
870
Uwe
732
Dieter
688
Reinhard
331
Gerd
291
Udo
271
Hartmut
230
Lothar
225
Wilfried
223
Dietmar
213
Hans-Jürgen
206
Hans-Joachim
181
Michael
2.094
Bernd
814
Rainer
584
Ulrich
538
Joachim
508
… mehr anzeigen (50 weitere Vornamen, Rang 51–100)
Norbert
433
Holger
388
Detlef
206
Rüdiger
143
Reiner
142
Thomas
1.938
Andreas
1.567
Frank
974
Jörg
693
Ralf
677
Dirk
504
Jens
449
Roland
426
Volker
353
Axel
269
Carsten
263
Thorsten
240
Ingo
236
Olaf
215
Torsten
213
Heiko
197
Jochen
194
Lutz
167
Karsten
143
Stefan
1.004
Christian
991
Markus
727
Matthias
665
Oliver
364
Stephan
339
Sven
290
Marco
193
Steffen
187
Mario
180
Kai
167
Lars
143
Marcus
142
Martin
976
Robert
387
Christoph
375
Daniel
362
Sebastian
326
Johannes
320
Florian
244
Sascha
182
Patrick
169
Alexander
521
Tobias
320
Jan
312
Paul
185

Balken = Jahrzehnte, in denen der Name unter den Top 50–120 des jeweiligen Jahrzehnts lag. Punkt = Jahrzehnt der größten Beliebtheit. Balkenfarbe = Häufigkeit bei DC1AS-Funkamateuren (dunkler = häufiger). Auch diese Zeitreise ersetzt keine echte Alterserhebung — die BNetzA-Liste enthält kein Geburtsdatum. Ab Rang 51 sind einige Zeitspannen gröber geschätzt (zusammengesetzte Namen aus zwei Bestandteilen kombiniert, „Lutz“ ohne Beleg in den Ranglisten).

📻 Sechs Generationen, grob eingeordnet

Dieselbe Grundlage wie die Zeitreise oben (inzwischen 100 recherchierte Vornamen), jetzt zusammengefasst in sechs groben Stufen statt Einzelnamen — praktisch für den schnellen Überblick. Je Stufe stehen darunter zehn Beispiel-Vornamen mit Beliebtheits-Höhepunkt in diesem Zeitraum (Bereiche überlappen bewusst, siehe Zeitreise oben).

Frühe Nachkriegsgeneration~1920er–1945
4.735 · 14,0 %
Beispiele: Hans, Gerhard, Werner, Helmut, Harald, Günter, Horst, Rolf, Bernhard, Heinz
Wirtschaftswunder-Generation~1945–1958
8.857 · 26,1 %
Beispiele: Michael, Peter, Wolfgang, Klaus, Jürgen, Manfred, Bernd, Uwe, Dieter, Rainer
Späte Nachkriegsgeneration~1958–1968
4.748 · 14,0 %
Beispiele: Thomas, Andreas, Frank, Jörg, Ralf, Dirk, Jens, Roland, Volker, Axel
Babyboomer~1965–1978
11.072 · 32,6 %
Beispiele: Thomas, Andreas, Stefan, Christian, Frank, Markus, Jörg, Ralf, Matthias, Dirk
Generation X~1975–1985
2.827 · 8,3 %
Beispiele: Stefan, Christian, Markus, Matthias, Oliver, Stephan, Sven, Marco, Steffen, Mario
Millennials & Generation Z~1985–heute
1.692 · 5,0 %
Beispiele: Martin, Alexander, Robert, Christoph, Daniel, Sebastian, Johannes, Tobias, Jan, Florian

🔍 Drei Vergabe-Epochen: was ein Rufzeichen wirklich verrät

Wichtig zur Abgrenzung: Hier geht es nicht um das Alter des heutigen Inhabers (das war Thema der Vornamen-Pyramide oben), sondern nur um das Rufzeichen selbst — die Zeichenfolge. Seit wann kann sie frühestens existieren? Der Präfix-Buchstabe allein sagt dazu nichts: „DL1xx sieht alt aus, also ist es alt" ist ein Trugschluss. Rufzeichen der Klasse A dürfen laut §11 AFuV nach Ablauf (Tod, Verzicht, Nichtzahlung) nach zweijähriger Sperrfrist neu vergeben werden — ein historisches „DL1..." von 1952 und ein vor vier Wochen neu zugewiesenes „DL1..." sehen identisch aus. Die einzige belastbare Grundlage ist deshalb nicht der Präfix, sondern die Lizenzklasse — und die kennt genau drei Epochen. Die vollständige Präfix-Zeitreise (Besatzungszonen, deutsche Teilung, Wiedervereinigung) steht auf der Seite „Kuriositäten II".

ab 06/2024
Klasse N
1.148
1,6 %
Nachweislich neu — kann nicht älter sein als gut zwei Jahre.
ab 1997/2005
Klasse E
10.220
14,6 %
Dieser Rufzeichen-Typ existiert erst seit 1997 — die einzelne Zuteilung kann aber jederzeit in den gut 29 Jahren seither erfolgt sein.
nicht bestimmbar
Klasse A
58.591
83,8 %
Könnte 1949 erstmals vergeben worden sein oder erst letzten Monat — wegen §11-AFuV-Wiedervergabe grundsätzlich nicht unterscheidbar.

Zwei Präfixe erzählen die spannendste Geschichte. DO ist zu 100 % Klasse E — die Zeichenfolge selbst kann in diesem Präfix also gar nicht vor 1997 entstanden sein, unabhängig vom heutigen Inhaber. DN dagegen ist der einzige Präfix, der alle drei Epochen gleichzeitig trägt — 3.953 Klasse A, 795 Klasse E und 1.144 Klasse N unter demselben Präfix-Buchstaben. DN ist damit ein Präfix, in dem sich drei Vergabe-Epochen buchstäblich überlagern: nicht bestimmbare, wiedervergebbare A-Rufzeichen neben Einsteiger-Rufzeichen von vor bis zu 29 Jahren neben nagelneuen Klasse-N-Zulassungen seit 2024.

Seit wann ist das überhaupt möglich? Der Zeitstrahl

Ein Balken pro Präfix (16 Stück, fast überall zu 100 % grau) war kaum lesbar — die Aussage steckt gar nicht im Präfix, sondern in der Klasse selbst. Deshalb hier dieselben drei Klassen als Zeitstrahl von 1949 bis heute: jede Zeile zeigt, seit wann diese Klasse überhaupt existiert bzw. neu vergeben werden kann. Klasse A reicht über den kompletten Zeitraum — nicht weil jedes A-Rufzeichen alt ist, sondern weil keines von ihnen mit Sicherheit datierbar ist.

1950 1960 1970 1980 1990 2010
1997
06/2024
Klasse A
58.591 · 83,8 %
Klasse E
10.220 · 14,6 %
Klasse N
1.148 · 1,6 %

Lesehilfe: je weiter links ein Balken beginnt, desto länger gibt es diese Klasse schon — nicht: desto älter ist ein einzelnes Rufzeichen darin. Die gestrichelten Linien markieren die beiden Einführungsjahre (1997 für Klasse E, Juni 2024 für Klasse N). Klasse A beginnt bei 1949, weil das die frühesten Nachkriegs-Genehmigungen sind — nicht, weil ein heutiges A-Rufzeichen typischerweise so alt ist.

Methodik & Quellen: direkte Auszählung aus der BNetzA-Rufzeichenliste nach Präfix und Lizenzklasse (stats.json, Feld by_class_detail) — keine Schätzung, keine Vornamen-Näherung. Klassen-Historie: Klasse E vormals „Klasse 3" (eingeführt 1997, umbenannt durch die AFuV-Novelle 2005, in Kraft 19.2.2005); Klasse N eingeführt mit Wirkung zum 24.6.2024 (Vfg. 53/2024 & 61/2024 der Bundesnetzagentur). Wiedervergabe-Regel: §11 AFuV (zweijährige Sperrfrist nach Erlöschen). Präfix-Bedeutung: BNetzA-Rufzeichenplan für den Amateurfunkdienst in Deutschland, Verfügung 15/2025, gültig ab 1.4.2025. Präfixe mit sehr kleinen Stückzahlen (DA, DP, DQ, DR — überwiegend Sonder- und Ausnahmeformate) sind in der Liste enthalten, aber statistisch mit Vorsicht zu lesen.

Alle Werte dieser Seite: reine deutschlandweite Summen und offen dokumentierte Modellrechnungen. Keine Einzeladressen, keine Namen von Einzelpersonen, keine Zuordnung zu einem Rufzeichen.